Grillgrundstück: Riesenklotz am Hauptplatz, das neue Gauting?

Stellungnahme des Bürgerforums zum Bauvorhaben in Gautings Ortszentrum

Das Bürgerforum möchte folgende Bedenken und Einwendungen zum Bebauungsplan 132 A vortragen:

Wenn Bürgermeisterin, Gemeinderäte und Verwaltung, den Bebauungsplan Nr. 132 A (Grillgrundstück) so verabschieden, wie er nun vorliegt, sollten sie sich nicht auf Unkenntnis berufen, was die zukünftige Verkehrsentwicklung am Hauptplatz, die Kosten für die Bürger und das extrem hohe Baurecht betrifft. Der Plan wurde mehrmals diskutiert, hat eine ausführliche Begründung und wird vier Wochen ausliegen.

Selbst der Entwurfsverfasser des Planes ringt deutlich mit sich selber, wenn er die Nutzung des Grundstücks, die Masse und Höhe der zwei Gebäude, sowie die daraus resultierende Verkehrsproblematik am Hauptplatz so zu begründen versucht, dass sie auch einer Klage beim Verwaltungsgericht standhalten könnte.

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1. Art und Höhe der baulichen Nutzung

Die Nutzung des Grundstückes ist durch eine Übereinkunft zwischen Bauträger, Bürgermeisterin und Verwaltung, gegenüber den bisherigen Bebauungsplanentwürfen erheblich von 3.391 qm auf 4.021 qm gesteigert worden. Diese massive Nutzung an Hauptplatz / Würmbrücke / Würmaue – dem verkehrstechnisch kritischsten Punkt Gautings – ist städtebaulich nicht begründbar. Keinesfalls aber mit dem (öffentlichen) Interesse, dort endlich eine vernünftige Bebauung zuzulassen. Vielmehr wird hier einem privaten Bauträger oder einer Verwertungsfirma ein großer Vorteil verschafft. Selbst die Begründung zum Bebauungsplan 132 A verhehlt nicht, dass für den Bau A (direkt am Hauptplatz) die gesetzlichen Vorgaben der Baunutzungsverordnung bis zu 43% (1) überschritten werden.

Das „Tengelmannhaus“ hat eine GFZ von 1,3; Haus A auf dem Grillgrundstück gegenüber hat dagegen eine GEZ von 1,83 und wird kurioserweise als „adäquates Gegenüber“!!!? bezeichnet.

Um die Ladenfläche zu vergrößern, wurde das Erdgeschoss des vorderen Hauses A mit einer „Schublade“ nahe an die Würm und den befestigten und teilweise als Rampe angelegten Uferweg gerückt. Diese wird als „gezähmte Flächenmehrung zugunsten der hier gewünschten großflächigen Ladennutzung/ Gastronomie mit möglicher Terrassennutzung im 1. OG.“ beschrieben.

Auch den Planer erfasst Unbehagen, so dass er eine mindestens 5 Meter hohe Lattenverkleidung, eine „semitransparente Struktur“, zur Auflage macht, um „einen zurückhaltenden Hintergrund für den hier eingeschnürten Landschafts- und Wegeraum“ zu bilden.

Wird der im Flächennutzungsplan festgelegte 10 m breite Uferschutzstreifen von Bebauung freigehalten?

2. Folgekosten

Die Gemeinde, sprich der Steuerzahler, wird mit einem Millionenbetrag am Aus- und Umbau der Schlossstraße, der Kanalisation und anderer öffentlicher Infrastrukturmaßnahmen beteiligt! Dazu kommen die zusätzlichen Kosten für Änderung und neuerliche Auslegung des Bebauungsplans.

Somit zahlt der Gautinger Bürger für komplizierte Umbauten der u.a. erheblichen Steigung an der engen Schlossstraße, einen hohen Betrag, zugunsten einer außergewöhnlich hohen Verwertung/Nutzung für einen privaten Bauträger!

Dem gegenüber ist ein nur notariell eingetragenes Wegerecht (kein Fußweg im Gemeindebesitz) am Würmufer, bedeutungslos!

All dies muss in einem Städtebaulichen Vertrag unbedingt vor Genehmigung des Bebauungsplans 132 A verhandelt werden, andernfalls wird die Position und Einflussnahme der Gemeinde in diesem Verfahren geschwächt. Zudem muss der Städtebauliche Vertrag öffentlich gemacht werden, da hohe, vom Bauwerber verursachte Kosten, auf die Gemeinde, sprich die Bürger, zukommen.

Eine diesbezügliche Nachfrage eines Gemeinderats wurde bereits im Vorfeld abgelehnt.

3. Nichteinhaltung der Abstandsflächen

Warum verzichtet die Gemeinde auf die rechtlich vorgeschriebenen Abstandsflächen, in der Grubmühlerfeld- und Schlossstraße sowie am Regenrückhaltebecken? Nicht genug! die vordere und hintere Ecke des Gebäudekomplexes ragen in den Straßenraum hinein und sollen vom Bauwerber gekauft werden dürfen!

Gibt es eine rechtliche Grundlage für den Verkauf öffentlichen Straßengrundes an Privatpersonen?

Um so nahe an den Hauptplatz bauen zu dürfen, sind gleichfalls Ausnahmegenehmigungen der gesetzlichen Abstandsvorschriften für Staatsstraßen nötig!

4. Verkehr

Für beide Gebäudeblöcke ist eine derart hohe Nutzung vorgesehen, dass 2 Tiefgaragengeschosse nötig sind. Die Tiefgaragen erstrecken sich über die gesamte Länge des Grundstückes unter beiden Gebäudeblöcken und dem freien Gelände dazwischen. Für 700 m2 Ladenfläche und xxx Wohnungen hat die ca. 75 m lange Tiefgarage nur eine(!) kombinierte Ein- und Ausfahrt an der engen Schlossstraße. Es gibt nur 5 oberirdische Stellplätze!

Wer glaubt, dass dieses Verkehrskonzept am Hauptplatz funktionieren kann, muss besondere Gründe für eine derart massive Bebauung haben. Die Gautinger Bürger werden ein tägliches Chaos in der Grubmühlerfeld- und Schlossstraße erleben, wenn die Bewohner morgens und abends während der Hauptverkehrszeiten versuchen ihre Wohnungen in Richtung Hauptplatz zu verlassen oder zu erreichen. Ganz abgesehen von Lieferverkehr, An- und Abfahrten zum 700-m2-Laden.

Unbotmäßige Kurzparker werden die Grubmühlerfeldstraße und den Hauptplatz zur automobilen Kampfzone machen.

5. Hochwasserschutz / Retentionsraumvolumen

Der Bebauungsplan 132 A weist für den privaten Bauwerber einen Wasserstauraum an anderer Stelle der Gautinger Gemeindeflur nach, damit die hohe Nutzung in dieser – bisher als Überschwemmungsareal ausgewiesenen – Fläche verwirklicht werden kann. Nur dann kann das bisherige Überschwemmungsgebiet, dass ca. die Hälfte der geplanten Tiefgarage überdecken würde, ausreichend reduziert werden.

Die Feuerwehr blickt zukünftigen Überflutungsalarmen mit Fassung entgegen.

Können der Gemeinde Regressforderungen bei Überflutung drohen?

6. Zitate aus der Begründung des Bebauungsplans 132 A

Angesichts dieser Problematiken wird sogar dem Ersteller des Bebauungsplans ziemlich mulmig und die Begründungen dieses Plans geraten stellenweise zu einer bloßen Rechtfertigung.

S. 10 – 5.2.4

„Die größere Ladennutzung erfordert großes gestalterisches
Fingerspitzengefühl um der empfindlichen Lage gerecht zu werden“

„… die Baumasse hinter einer semitransparenten Fassadenstruktur in ihrer Wucht zu mildern.“

„… Schublade soll zurückhaltender Hintergrund für den hier eingeschnürten Landschafts- und Wegeraum bleiben.“

S. 11 – 5.2.7

„… der des Hauptbaus am Platz zentrumsorientiert und hoch verdichtet …“

S.15 – 5.5.1

„… aus dem eine verhältnismäßig hohe Dichte…“

S.16 – 5.5.1

„… das relativ hohe Maß baulicher Nutzung direkt am Landschaftsraum der Würm…“

Die den Plänen beigefügten Beispiele verlatteter Bauwerke zeigen überdeutlich den angestrengten Versuch, einen überdimensionierten Baukörper zu kaschieren.

Sind sich Bürgermeisterin und Gemeinderäte über die tiefgreifenden negativen Auswirkungen des Bebauungsplan 132 A für die Gautinger und ihre Ortsmitte im Klaren?

Sollte jemals am Hauptplatz an dieser Stelle ein Bauwerke von solchen Dimensionen errichtet werden, dann gäbe es in dieser EINGESCHNÜRTEN Flußlandschaft weder einen attraktiven Fußweg, noch könnte sich das E-Werk als Gautinger Landmarke behaupten.

Dr. Ulla Ziegler
1. Vorsitzende

Prof. Mechthild Lobisch
2. Vorsitzende

6 Kommentare
  1. T.Müller
    T.Müller says:

    Ich freue mich, dass die SPD gegen dieses Bauvorhaben (zumindest in der geplanten Form und Dimension) ist.
    Als Bewohner der Schloßstr. sehe ich mit dem geplanten Bauvorhaben massive Probleme auf die Anwohner zukommen.
    Parkt heute z.B. nur ein Auto in der engen Schloßstrasse etwas zu weit weg vom Rand, kommen andere Fahrzeuge nur schlecht, oder manchmal gar nicht mehr vorbei. Meistens werden solche Situationen durch langes Dauerhupen und/oder lautstarkes Geschrei begleitet.
    Ich bin mir sicher, dass solche Situationen künftig an der Tagesordnung wären.
    Auss6

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  2. T.Müller
    T.Müller says:

    …ausserdem ist mir das geplante „Aufpeppen“ der Grünfläche neben dem Grill-Areal (geplante Promenade entlang der Würm und Nutzung des Regenrückhaltebeckens als „Balkon“ mit Bänken usw.) ein Dorn im Auge. Schon jetzt tummeln sich dort bereits, fast täglich genügend Jugendliche, und ab und an auch ältere Gesellen, die oftmals bis tief in die Nacht dort Alkohol trinken, ganz offensichtlich Drogen konsumieren, lautstark Musik hören, die Umgebung zumüllen und ununterbrochen herumgröhlen. Diesen Menschen nun einen noch besseren Ort schaffen wo sie noch besser ihr Unwesen, und alle Anwohner in den Wahnsinn treiben können, halte ich für vollkommen überflüssig. Solche Probleme interessieren jedoch Frau Kössinger & Co. nicht, da sie ja selbst nicht dort wohnen.
    Aber mal ehrlich, wer denkt und öffentlich schreibt, dass dieses Bauvorhaben den Straßenverkehr nicht zusätzlich belastet, der hat sowieso jeglichen Hang zur Realität verloren, kennt wohl den täglichen Gautinger Stau nicht und handelt ganz sicher nicht zum Wohle der Gautinger Bürger.

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  3. Klaus Pientka
    Klaus Pientka says:

    Unabhängig vom „Bauvorhaben Grillgrundstück“ wird hier ein grundsätzliches Problem angesprochen, das die Gemeinde mit den „Baustellen in Gauting“ hat!

    Auf der Prioritätenliste der neuen Bürgermeisterin steht z.B. das „Bahnhofsgelände“ ganz oben (s. aktuelle Medienberichte). Was nun in den letzten Jahren gerade mit diesem „Bahnhofsgelände“ passiert ist, geht aus dem BlogGaBaBlog13 : http://www.ziel13.blogspot.de hervor.

    Insgesamt ist festzuhalten, dass es in den letzten 8,5 Jahren – seit dem Erwerb des Bahnhofsareals im Dezember 2006 – keine vorzeigbaren Projektfortschritte gegeben hat. Das gilt insbesondere seit Anfang 2013, also seit der ausdrücklichen Aufforderung der Gemeinde an ALLE GautingerInnen: „Mischen Sie sich ein!“, womit aber das ursprünglich angestrebte Ziel (leider) nicht erreicht worden ist! Die Gründe dafür sind in erster Linie bei der Gemeinde zu suchen und können in dem o.g. Blog nachgelesen werden.

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  4. A. Kolbeck
    A. Kolbeck says:

    Ich bin zwar keine direkte Anwohnerin, aber wenn man bedenkt, dass bei baulichen Maßnahmen gerade in dieser Dimension sich das Objekt architektonisch in die Nachbarbebauung einfügen sollte, so wäre doch eine kleinere und mit Giebel erstellte Konstruktion weitaus ästhetischer. So erinnert das Objekt an einen Plattenbau-Ost der 70er Jahre. Für das Zentrum des Ortes würde ich ein bürgerfreundlicheres (d.h. mit höherem Freizeit-Nutzwert: Café, Läden etc.) und für die Würmauen ein architektonisch reizvolleres Konzept bei weitem vorziehen. Fragt sich, ob diese angedachte Konstruktion nicht ein größerer baulicher „Schandfleck“ für Gauting sein wird als die bisherigen Abrissobjekte.

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  5. Dr. Ernst Paßberger
    Dr. Ernst Paßberger says:

    Gegen den Bebauungsplan 132 A der Gemeinde Gauting und die Bebauung des sog. Grillgrundstücks kann ich zumindest 10 erhebliche Bedenken vortragen.

    1. Das Maß der baulichen Nutzung wird um wenigstens 46 % überzogen.
    2. Die Wandhöhe zum Hauptplatz wird nur informell mit 13,60 m angegeben und ist kein geeignetes Gegenüber für das Referenzgebäude E-Werk.
    3. Diese Schmalseite des Hauptgebäudes hat kaum eine Gliederung und erinnert an stehengebliebene Brandschutzwände im Nachkriegs-München.
    4. Nach dem Rahmenplan für die Ortsmitte von Gauting sind 3 Vollgeschosse und nicht wie geplant 4 zugelassen.
    5. Der behördenverbindliche Flächennutzungsplan schreibt eine restriktive Ausweisung von Baugebietsflächen im Talraum der Würm vor. Ein 10 m breiter Uferstreifen ist von jeglicher Bebauung freizuhalten. Gegen diese Festsetzungen wird verstoßen.
    6. Auf der Baufläche befindet sich zumindest ein Bodendenkmal aus der frühen Geschichte von Gauting. Der geplante Bau der zweigeschossigen Tiefgarage greift in diese Bodendenkmal ein.
    7. Das geplante Geschäft mit einer Fläche von etwa 900 qm bedarf eines Lieferverkehrs mit vermutlich großen LKWs. Es ist nicht ersichtlich, wie das Be- und Entladen erfolgen soll und wie diese Fahrzeuge in der Grubmühlerfeldstraße wenden können.
    8. Die Begründung des Bebauungsplans enthält viele verharmlosende Termini aus der Immobilienbranche, die der Realtität zuwiderlaufen, z.B. Loggia, Schublade, semitransparente Fassade, gezähmte Flächenmehrung, Gartenhaus usw.
    9. Die beiden geplanten Gebäude werden größtenteils im Retentionsgebiet der Würm errichet. Diese Bauabsicht kollidiert mit dem Wasserhaushaltsgesetz und dem Bayerischen Wassergesetz. Das potentielle Durchflußprofil der Würm wird an dieser Stelle erheblich verengt. Die einzige vorgeschlagenen eigene Kompensierung durch eine Geländemulde von 175 cbm ist bei einem Fließgewässer eher lächerlich.
    10. Entlang der Würm soll ein Fußweg auf privatem Grund mit öffentlicher Widmung gebaut werden. Die öffentliche Widmung ist eine zu schwache Sicherung und ein viel zu geringer Ausgleich für eine Steigerung des Baurechts um 46 %.

    Ich hoffe, der Gemeinderat von Gauting baut in seiner Sitzung am 21.07.2015 nicht die Zukunft in der Ortsmitte mit einer 13,5 m hohen Wand zu.

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  6. Shiha Evelyn
    Shiha Evelyn says:

    Ein Architekt, der dieses Monster schöne findet, muss an Geschmacksverirrung leider. Ich dachte immer, Gauting soll schöner werden! Da sah die Grill-Ruine noch besser aus. Von den Kosten mal ganz abgesehen. Ich hoffe inständig, unser Gemeinderat stimmt dagegen.

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