Die Bauverdichtung in Gauting geht immer weiter. Wo führt das hin?

08. April 2020

Diesmal ging es um Königswiesen. Ein Investor kaufte zwei Grundstücke mit 1700 m2, will die 2 alten Häuser abreißen und stattdessen 8 Häuser auf je rund 200 m2 großen Grundstücken bauen. Die CSU-Bürgermeisterin Dr. Kössinger sah keine Möglichkeit dies zu verhindern. Für sie war formal alles in Ordnung (SZ 27.11.2019). Aber der Gemeinderat sah es inhaltlich und lehnte unter Verweis auf Ortsbild und Verkehrsbelastung in den engen Straßen den Antrag dann gleich zweimal ab und wurde dabei vom Kreisbauamt unterstützt. (StaM 14.2.2020)

Der "Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum" wurde eingeschaltet. Ihr Architekt schlug vor, die Grundstücksgröße auf mindestens 400 m2 festzulegen. D.h. im Bereich Duschl-/Ringstraße könnten dann künftig 28 statt 14 Häuser stehen bzw. gebaut werden. Der Bauausschuss stimmte zu. (StaM 4.4.2020)

  • Es ist ein Lehrbeispiel für eine Entwicklung, die seit Jahren in Gauting im Gange ist und immer weiter befördert wird.

Wer hat welche Interessen?

Die Investoren wollen möglichst dicht bauen, denn dann ist das meiste Geld verdient. Indem Frau Dr. Kössinger nur formal argumentierte, trat sie auch hier wieder als Vollstreckerin der Investoreninteressen auf. Aus ihrer Sicht war es ein reiner Verwaltungsakt und kein politischer Vorgang. Ein gestalterischer Wille zu Gauting war bei ihr nicht erkennbar.

Dieser Planungsverband vertritt vornehmlich die Interessen Münchens und der bayerischen Staatsregierung. Beide wollen, dass im Münchner Umland kräftig gebaut wird. München leidet unter starkem Wohnungsmangel und sucht Entlastung. Und die Regierung will diese "Metropolregion" stark ausbauen. Sie nennen das "Nachverdichtung", was sie auch von Gauting fordern.

Was hat Gauting davon?

  • In 14 zusätzlichen Häusern werden 40 bis 50 zusätzliche Bewohner wohnen. Was brauchen sie? Kitas, Schulen und Straßen. Wer bezahlt das? Nicht die alten Grundstückseigentümer aus ihren hohen Verkaufserlösen und nicht der Investor mit seinem Gewinn, sondern die Gemeinde. Und wo soll das Geld herkommen? - So produziert man für Gauting eine Finanznot - schleichend, aber unübersehbar.

  • Im Kreis Starnberg hat die Gemeinde Seefeld für sich beschlossen, nicht mehr weiter wachsen zu wollen. "Wir werden uns dem Druck nicht beugen." Es werde keinen Platz für weitere Neubürger geben. Nachverdichtungen nur noch beispielsweise für Kinder der Gemeinde, so Bürgermeister Wolfram Gum. (SZ 5.5.2018)

Wo kommen die neuen Bewohner her?

Sicherlich überwiegend von außerhalb Gautings. Die Neubürger werden letztlich aus den abgelegenen Landkreisen angezogen, denn neue Arbeitsplätze entstehen vorwiegend hier und nicht, wo sie heute wohnen. Wo sie wegziehen, hinterlassen sie leer stehende Wohnungen. Die dortigen Geschäfte haben dann weniger Kunden und, wenn zu viele wegziehen, müssen sie schließen. Leerstand, Verödung und Verfall breiten sich immer weiter aus. Und der Stimmenanteil der AfD steigt immer weiter, sichtbar geworden bei der letzten Landtagswahl im Osten und Norden Bayerns, also in den Gebieten, die besonders unter Abwanderung leiden.

Aber auch der Münchner Raum wird mit den Neubürgern nicht glücklich. München kommt trotz Investitionen in Höhe vieler Milliarden mit seinen Wohn-, Miet-, Verkehrs- und Umweltproblemen nicht mehr klar. Auch wir sehen es hier in Gauting bei dem, was sich täglich auf der Bahnhofstraße abspielt. Und wer das Pech hat, morgens mit dem Auto nach München fahren zu müssen, der kann erst recht ein Lied davon singen.

Es ist viel von Klimakrise die Rede.

In den abgelegenen Landkreise wird Wohnraum vernichtet, nur um ihn an anderer Stelle wieder neu zu bauen. Volkswirtschaftlich ist das eine gigantische Verschwendung und gleichzeitig eine starke Beförderung der Klimakrise. Denn die Bauwirtschaft zählt zu den größten Energieverbrauchern.

  • Die Staatsregierung hat diese Entwicklung zwar erkannt, aber mit der Verlagerung von staatlichen Verwaltungen in die Landkreise ist es nicht getan. Aufgrund der geringen Anzahl an Arbeitstellen ist das nur Symbolpolitik. Wer Klima und Demokratie schützen will, der muss mehr tun.

  • Die CSU/FW-Regierung muss den Ausweis neuer Gewerbegebiete in den Ballungsräumen verbieten. Sie muss gleichzeitg die Betriebsansiedlung in den abgelegenen Landkreisen massiv fördern, damit die Menschen dort wieder eine Lebensperspektive bekommen und in ihrer Heimat bleiben können.

Die extreme Abhängigkeit der Kommunen von der Gewerbesteuer muss verringert werden, damit sie nicht mehr die Flucht in immer mehr und immer größere Gewerbegebiete antreten. Gauting will 42 Hektar und Starnberg 47 Hektar neu ausweisen - allein im Unterbrunner Holz mit bis zu 5.000 und in Schorn mit 7.000 bis 15.000 Beschäftigten. Mit ihren Familien ist das die Einwohnerzahl der Kreisstadt Starnberg - zusätzlich hier bei uns.

  • Für die Kommunen ist der Gewerbesteueranteil abzusenken und dafür der Einkommensteueranteil deutlich zu erhöhen, damit sie eine stabile Finanzierungsgrundlage bekommen.

CSU-Bürgermeisterin Dr. Kössinger und die Verdichtung in Königswiesen, in: Mamer, Blanche: Klares nein, SZ 27.11.2018

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