Nachruf Brigitte Servatius: * 16.09.1944 in Wien und † 29.06.2026 in München
Brigitte Servatius ist friedlich von uns gegangen. Das ist ein Trost für die Menschen, die sie gut kannten und sehr geschätzt haben als Mensch, als Bürgermeisterin (über zwei Legislaturperioden) und später als Ehrenbürgerin.
Hätte es damals die Altersgrenze für BürgermeisterInnen nicht gegeben, wäre sie sicher noch für eine dritte Periode voll im Einsatz für Gauting gewesen. Ihr politischer Schwerpunkt lag bei den Menschen, bei der Bildung und der Kultur. Als alleinerziehende Mutter eines Sohnes, als unabhängige und starke Frau, als Fachlehrerin und bürgernahe Bürgermeisterin stand sie tatkräftig im Leben. Sie war menschlich wie sachlich das,was eine gute Bürgermeisterin ausmacht – professionell und qualitätsbewusst in ihrer Arbeit und ein Kommunikationstalent im Umgang mit den BürgerInnen. Sie war den Gautingern zugewandt, offen für Probleme, spontan und herzlich. Sie ging auf die Menschen zu und interessierte sich für ihre Anliegen bis zum Ende ihres Lebens.
Überall war Brigitte Servatius präsent, egal ob im Schwimmbad, bei runden Geburtstagen, bei Jahresversammlungen von Vereinen und Feuerwehren, auf der Straße unter den Menschen und später im VorOrt oder Tati. Sie war fasziniert von den verschiedenen Lebensläufen ihrer MitbürgerInnen und nahm Anteil an den persönlichen Schicksalen.
Wer war sie als Mensch?
BürgerInnen erlebten sie selbstbewusst, zielstrebig, neugierig und durchsetzungsstark, aber auch kreativ, unkonventionell und lösungsorientiert. Einer ihrer Leitgedanken war: „Man braucht die Macht, um Dinge verändern zu können.“ Sie kümmerte sich um die Bedürfnisse der BürgerInnen und entwickelte gemeinsame tragfähige Lösungen im Gespräch mit ihnen. Eine ihrer typischen pragmatischen Lösung war beispielsweise, dass sie beim Einsturz der Decke im Grundschulgebäude den Unterricht einfach ins Tengelmanngebäude und ins Rathaus verlegte. Auch Außenstehende fanden Platz im Rathaus, so lud sie etwa die Mädchen aus dem Caritas-Heim ein, im Rathaus ihre Werke auszustellen. Sie schätzte Bürgerwissen und Ehrenamt: „Sagt mir, was Ihr vorhabt, ich schaue, wie ich helfen kann“ - finanziell oder räumlich. Nach Ende ihrer Amtszeit engagierte sich in der Geflüchtetenhilfe.
Mit Ihren kulturell vielseitigen Interessen und ihrer lebensfrohen und begeisterungsfähigen Art auch bei allen Festen – wie denen des Partnerschaftsvereins hier in Gauting, in Frankreich und England – war sie für alle Gautinger ein politischer Glücksfall.
Was waren ihre zentralen politischen Ziele?
Die Unterstützung von Frauen, Familien und Kinder: Investitionen in Kinder- und Mittagsbetreuung, Förderung von privaten Initiativen wie Webasto Krippe, Hokuspokus-Kita, Montessori-Kita, Waldorf-Kita, Schaffung neuer Spielplätze am bosco und in Buchendorf.
Investitionen in Bildung: Initiierung des Realschulzweckverbandes, Neubau der Realschule, Umbau des Altbaus in eine moderne Grundschule, Bau der Mensa auf dem Campus, Förderung des Schüleraustauschs mit Frankreich und Israel, den sie mehrmals begleitete.
Was waren die Prinzipien ihrer Politik?
Das Leben der Menschen erleichtern – mit der Gründung der gemeindeeigenen Gautinger Insel und der Unterbringung der „Tafel“ im gemeindeeigenen Gebäude;
Treffpunkte für die Gautinger schaffen – durch einen Umbau des Don- Bosco-Heims in das Bürger- und Kulturhaus bosco sowie die Einrichtung des Seniorencafés dort;
Bürger in Ortsentwicklungen einzubeziehen – durch den professionell begleiteten Leitbildprozess und eine Bürgerwerkstatt zum Bahnhofsareal;
Umwelt erhalten und Menschen schützen – mit dem Energiespartag, der Gründung des Regionalwerks zusammen mit den beiden Bürgermeisterinnen von Krailling und Planegg, dem Dienstwagen der Gemeinde als Carsharingprojekt, der Beleuchtung der Radwege nach Unterbrunn und Stockdorf, der Ablehnung der Erweiterung des Flughafens Oberpfaffenhofen und des Autobahnsüdrings durch das Grubmühlerfeld. Gauting wurde FairTrade Gemeinde;
Den Wert von Kultur zeigen – durch die Schaffung von Kulturorten mit dem Theaterforum/bosco und der Sanierung der Remise. Dabei sollte die Verantwortung in engagierter Bürgerhand liegen. Sie förderte den Bau des Kinos als kulturellen Treffpunkt;
Der Gemeinde Zukunftsperspektiven eröffnen – durch konsequenten Schuldenabbau, den Erwerb des Bahnhofs und von Grundstücken wie Wunderlhof und dem Handwerkerhof, der Ansiedelung von Penny, Lidl und dem Stockdorfer Edeka sowie die Änderung der Verkehrsführung am Hauptplatz im Zuge des Brückenneubaus;
Lösungen für Vereine finden – wie die finanzielle Unterstützung des neugegründeten GSC nach der Pleite des TSV.
Brigitte Servatius war eine sozialdemokratische Bürgermeisterin im wahrsten Sinne des Wortes – ein Glücksfall für Gauting.
Wir werden sie sehr vermissen! Aber in unseren Herzen werden sie und ihr Lebenswerk lebendig bleiben!
In Erinnerung der SPD-Ortsvorstand Gauting 4. Juli 2026 Dr. Michaela Reißfelder-Zessin (Vorsitzende), Dieter Appel, Oliver Meyer, Maja Zorn, Karena Sorg, Andrew Manderscheid, Dr. Carola Wenzel, Aurora Dunda und Ingo Hugger