Die künftige Ortsentwicklung von Gauting

Ist die Wasserversorgung gesichert? Würmtal Zweckverband gegen weitere Bebauung im Würmtal - 9.6.2020

Der Würmtal Zweckverband lehnt den Bebauungsplan zum Polizeigebäude am Penny-Kreisel ab, da er die Wasserversorgung nicht mehr garantieren könne. Im Umweltgutachten wird auf "mittlere bis hohe Belastungen durch die verkehrlichen Schallimmissionen" für die Anwohner entlang der Ammerseestraße hingewiesen. Hier

Der Bauausschuss setzte sich über diese Einwände hinweg und genehmigte am 19.5.2020 diesen Bebauungsplan. Da die Planung in diesen 2 wichtigen Punkten unausgegoren ist, stimmte Eberhard Brucker / SPD dagegen.

In der kurzen Diskussion meinte Herr Eck / UBG: Dann dürfte man ja gar nicht mehr im Würmtal bauen.

Er hat sicher recht, dass ein einzelnes Gebäude die Wasserversorgung nicht zum Zusammenbruch bringt, auch der Handwerkerhof samt Polizei auf seinen 1,9 Hektar nicht. Aber steter Tropfen höhlt den Stein:

Geplant sind die großen Gewerbegebiete im Unterbrunner Holz auf 30 Hektar und mit bis zu 5.000 Beschäftigten (Dr. Kössinger, StaM 21.9.2018) und das bei Asklepios auf 10 Hektar. Viele werden hier wohnen wollen. Geplant ist die Ansiedlung von bis zu 800 Bewohner in 304 Wohnungen an der Ammerseestraße Hier und im Sontowski-Bau beim Bahnhof in 52 Wohnungen etwa 100 Bewohner. Die laufende Bauverdichtung kommt noch hinzu. Hier nur die neuesten Vorhaben: In Königswiesen Duschl / Ringstraße werden aus 19 Häusern künftig 28 hier, am Ende der Bergstraße werden statt einem Haus gerade 6 gebaut, an der Tassilostraße aus 1 Haus werden künftig 4, an der Hubertusstraße aus 1 Haus künftig 3. Allein mit diesen 19 zusätzlichen Häuser werden noch einmal 70 bis 80 zusätzliche Bewohner nach Gauting angezogen.

Heute wird bekannt, dass der Streit zwischen Zweckverband und Gauting ganz grundsätzliche Formen angenommen hat:

  • "Der Würmtal-Zweckverband lehnt neue Gewerbegebiete und Siedlungen in Gauting und Krailling ab, weil die Versorgung nicht gesichert sei. Vor Gericht soll nun geklärt werden, ob die Quellen im Königswieser Forst weiter genutzt werden können." Berzl, Michael: Streit um die Reserven, SZ 9.6.2020 und Cless-Wesle, Christine: Wasser-Streit geht in neue Runde, StaM 13.6.2020

  • Als der Bauausschuss tagte und sich die Mehrheit im Ausschuss über die Einwände hinwegsetzte, hatte die Bürgermeisterin nicht vorher über diesen grundsätzlichen Streit informiert. Sie empfahl den Gemeinderäten, die Stellungnahme des Würmtal-Zweckverbandes zur Kenntnis zu nehmen und damit zu ignorieren. (Beschlussvorlage v. 19.5.2020, S. 3)

  • Die Wasserwerker wollen die Verantwortung nicht mehr übernehmen und das ist ein Alarmzeichen.

Im Unterbrunner Holz sollen stillgelegte Brunnen für das neue Gewerbegebiet endgültig aufgegeben werden, obwohl man angesichts der Klimaentwicklung nicht weiß, ob man nicht eines Tages auch dieses Wasser braucht, auch wenn es erst noch gründlich gereinigt werden müsste. Feldafing und Pöcking haben heutzutage schon Schwierigkeiten. Setzwein, Christine: Wasserverbrauch steigt um bis zu einem Drittel, SZ 21.4.2020

Man bekommt zunehmend den Eindruck, dass unsere Gegend insgesamt gesehen so langsam an ihre von der Natur gesetzten Grenzen kommt, was das „Mehr“ angeht.

Die Bauverdichtung in Gauting geht immer weiter. Wo führt das hin? - 8.4.2020

Diesmal ging es um Königswiesen. Ein Investor kaufte zwei Grundstücke mit 1700 m2, will die 2 alten Häuser abreißen und stattdessen 8 Häuser auf je rund 200 m2 großen Grundstücken bauen. Die CSU-Bürgermeisterin Dr. Kössinger sah keine Möglichkeit dies zu verhindern. Für sie war formal alles in Ordnung (SZ 28.11.2019). Aber der Gemeinderat sah es inhaltlich und lehnte unter Verweis auf Ortsbild und Verkehrsbelastung in den engen Straßen den Antrag dann gleich zweimal ab und wurde dabei vom Kreisbauamt unterstützt. (StaM 14.2.2020)

Der "Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum" wurde eingeschaltet. Ihr Architekt schlug vor, die Grundstücksgröße auf mindestens 400 m2 festzulegen. D.h. im Bereich Duschl-/Ringstraße könnten dann künftig 28 statt 19 Häuser stehen bzw. gebaut werden. Der Bauausschuss stimmte zu. (StaM 4.4.2020)

  • Es ist ein Lehrbeispiel für eine Entwicklung, die seit Jahren in Gauting im Gange ist und immer weiter befördert wird.

Wer hat welche Interessen?

Die Investoren wollen möglichst dicht bauen, denn dann ist das meiste Geld verdient. Indem Frau Dr. Kössinger nur formal argumentierte, trat sie auch hier wieder als Vollstreckerin der Investoreninteressen auf. Aus ihrer Sicht war es ein reiner Verwaltungsakt und kein politischer Vorgang. Ein gestalterischer Wille zu Gauting war bei ihr nicht erkennbar.

Dieser Planungsverband vertritt vornehmlich die Interessen Münchens und der bayerischen Staatsregierung. Beide wollen, dass im Münchner Umland kräftig gebaut wird. München leidet unter starkem Wohnungsmangel und sucht Entlastung. Und die Regierung will diese "Metropolregion" stark ausbauen. Sie nennen das "Nachverdichtung", was sie auch von Gauting fordern.

Was hat Gauting davon?

  • In 14 zusätzlichen Häusern werden 40 bis 50 zusätzliche Bewohner wohnen. Was brauchen sie? Kitas, Schulen und Straßen. Wer bezahlt das? Nicht die alten Grundstückseigentümer aus ihren hohen Verkaufserlösen und nicht der Investor mit seinem Gewinn, sondern die Gemeinde. Und wo soll das Geld herkommen? - So produziert man für Gauting eine Finanznot - schleichend, aber unübersehbar.

  • Im Kreis Starnberg hat die Gemeinde Seefeld für sich beschlossen, nicht mehr weiter wachsen zu wollen. "Wir werden uns dem Druck nicht beugen." Es werde keinen Platz für weitere Neubürger geben. Nachverdichtungen nur noch beispielsweise für Kinder der Gemeinde, so Bürgermeister Wolfram Gum. (SZ 5.5.2018)

Wo kommen die neuen Bewohner her?

Sicherlich überwiegend von außerhalb Gautings. Die Neubürger werden letztlich aus den abgelegenen Landkreisen angezogen, denn neue Arbeitsplätze entstehen vorwiegend hier und nicht, wo sie heute wohnen. Wo sie wegziehen, hinterlassen sie leer stehende Wohnungen. Die dortigen Geschäfte haben dann weniger Kunden und, wenn zu viele wegziehen, müssen sie schließen. Leerstand, Verödung und Verfall breiten sich immer weiter aus. Und der Stimmenanteil der AfD steigt immer weiter, sichtbar geworden bei der letzten Landtagswahl im Osten und Norden Bayerns, also in den Gebieten, die besonders unter Abwanderung leiden.

Aber auch der Münchner Raum wird mit den Neubürgern nicht glücklich. München kommt trotz Investitionen in Höhe vieler Milliarden mit seinen Wohn-, Miet-, Verkehrs- und Umweltproblemen nicht mehr klar. Auch wir sehen es hier in Gauting bei dem, was sich täglich auf der Bahnhofstraße abspielt. Und wer das Pech hat, morgens mit dem Auto nach München fahren zu müssen, der kann erst recht ein Lied davon singen.

Es ist viel von Klimakrise die Rede.

In den abgelegenen Landkreise wird Wohnraum vernichtet, nur um ihn an anderer Stelle wieder neu zu bauen. Volkswirtschaftlich ist das eine gigantische Verschwendung und gleichzeitig eine starke Beförderung der Klimakrise. Denn die Bauwirtschaft zählt zu den größten Energieverbrauchern.

  • Die Staatsregierung hat diese Entwicklung zwar erkannt, aber mit der Verlagerung von staatlichen Verwaltungen in die Landkreise ist es nicht getan. Aufgrund der geringen Anzahl an Arbeitstellen ist das nur Symbolpolitik. Wer Klima und Demokratie schützen will, der muss mehr tun.

  • Die CSU/FW-Regierung muss den Ausweis neuer Gewerbegebiete in den Ballungsräumen verbieten. Sie muss gleichzeitg die Betriebsansiedlung in den abgelegenen Landkreisen massiv fördern, damit die Menschen dort wieder eine Lebensperspektive bekommen und in ihrer Heimat bleiben können.

Die extreme Abhängigkeit der Kommunen von der Gewerbesteuer muss verringert werden, damit sie nicht mehr die Flucht in immer mehr und immer größere Gewerbegebiete antreten. Gauting will 42 Hektar und Starnberg 47 Hektar neu ausweisen - allein im Unterbrunner Holz mit bis zu 5.000 und in Schorn mit 7.000 bis 15.000 Beschäftigten. Mit ihren Familien ist das die Einwohnerzahl der Kreisstadt Starnberg - zusätzlich hier bei uns.

  • Für die Kommunen ist der Gewerbesteueranteil abzusenken und dafür der Einkommensteueranteil deutlich zu erhöhen, damit sie eine stabile Finanzierungsgrundlage bekommen.

Mit neuem Viertel bei AOA und neuen Gewerbegebieten weiterhin ein grünes Gauting? Bürgerversammlung am 7.10.2019 im Bosco, 19.30 Uhr - 2.10.2019

Weiterhin ein grünes Gauting? - Für eine ortsverträgliche Bebauung zwischen Ammersee- und Pötschenerstraße

Die Gemeinderatsmehrheit aus Bürgermeisterin, CSU und UBG will zwischen Ammersee- und Pötschenerstraße ein neues Viertel bauen lassen. Bis zu 800 Bewohner sollen dort angesiedelt werden. Wohnungsnot wird beklagt, obwohl man schon längst auf 14.000 m2 Wohnungen hätte bauen lassen können. Das reicht aber den Befürwortern nicht. Mit jedem Planungsschritt werden es mehr. Inzwischen will man 26.400 m2, gegenüber dem heute gültigen Bebauungsplan fast eine Verdoppelung. Fünfstöckige Häuser und ein Supermarkt sind vorgesehen.

Gauting AOA Vergleich der Planungen

Was soll aus Gauting werden?

Bis zu 800 Menschen hier anzusiedeln hat Folgen. Darüber muss gesprochen werden. Die Schulen sind betroffen. Da heute schon nahezu voll belegt, müssen sie erweitert werden. Millionenteure Investitionen stehen der Gemeinde ins Haus. Der Verkehr ist betroffen. Die Bewohner kommen mit ihren Autos, der Supermarkt zieht Verkehr an. Der Verkehrsplaner spricht von täglich 2.850 zusätzlichen Fahrzeugen.

CSU und UBG wollen nun 304 Wohneinheiten (Hebensperger-Hüther, Verkehrsuntersuchung 24.7.2019, S. 11) bauen lassen. Bis zu 800 Menschen werden hier einmal zusammengedrängt wohnen. Die Wohnblöcke stehen sehr eng beieinander, von den Einfamilienhäusern ganz zu schweigen. Es wird laut und schattig werden. Dabei ist allgemein bekannt, dass Lärm eine der größten Belastungen ist. Die Wohnqualität wird stark darunter leiden, nicht nur bei den künftigen Bewohnern, sondern auch bei den Nachbarn im Umfeld ringsherum.

Ein Supermarkt soll hier einziehen, dabei wird gerade am Bahnhof ein EDEKA-Vollsortimenter gebaut. Man könnte stilles Gewerbe ansiedeln. Das verursacht weniger Verkehr. Es würde Gewerbesteuer einbringen und die Geschäfte am Pippinplatz und die Bäckerei Cramer an der Unterbrunner Straße nicht gefährden.

Neben diesem neuen Viertel sollen im Unterbrunner Holz 30 Hektar und hinter Asklepios 10 Hektar als neue Gewerbegebiete erschlossen werden – mitten in der Landschaft, im Bannwald und Schutzgebiet. Gauting würde so seine Gewerbefläche von heute 41 Hektar (Landesamt f. Statistik: Statistik kommunal 2018, S. 13) verdoppeln. Allein im Unterbrunner Holz sollen es einmal bis zu 5000 Beschäftigte sein (Asto-Eco-Park Gauting GmbH, StaM 21.9.2018). Mit denen bei Asklepios und Penny-Kreisel können es bis zu 7000 werden. Da wir in Gauting keine Arbeitslosigkeit haben, müssen diese als Pendler kommen. Sie werden aus allen Richtungen kommen und Bahnhof- und Ammerseestraße sowie Unterbrunn sehr stark belasten.

Die Realisierung dieser Großprojekte würde massive Auswirkungen auf Verkehr, Mieten, Kinderbetreuung und Schulen haben: Über die dann notwendigen Investitionen in Höhe vieler Millionen muss jetzt gesprochen werden.

In welche Richtung soll sich Gauting weiterentwickeln? Soll Gauting den Münchner Vororten ähnlich werden oder soll es das grüne Gauting bleiben?

Deshalb:

  • Eine gute Wohnqualität für künftige Bewohner und heutige Anrainer sicherstellen.
  • Auf 180 Wohnungen beschränken.
  • Die Bebauung von Ost nach West und Süd nach Nord von 3 auf 4 Geschosse ansteigen lassen.
  • Die Gewerbefläche von AOA erhalten.

Nutzen Sie die Gelegenheit und

  • gehen Sie zur Bürgerversammlung am 7.10.2019 um 19.30 im Bosco.
  • stellen Sie Ihre Fragen an die Bürgermeisterin.
  • unterstützen Sie die Anwohner links und rechts der Ammerseestraße, denn der Verkehr dieser Planungen würde auch Sie stark belasten.

Hotel Simon wird verkauft - 13.8.2019

Hotel Simon 2019-08
© Ingo Hugger

Hotel Simon wird für 8,9 Mio. Euro zum Verkauf angeboten. Abriss und Neubau?

Sontowski setzt den Maßstab. Beim Bürgerentscheid Anfang letzten Jahres wiesen die Kritiker der massiven und hohen Sontowski-Bauplanung immer wieder darauf hin, dass die geplante Höhe von über 20 Meter den künftigen Maßstab für die Bebauung auf der gegenüberliegenden Straßenseite setzen wird. Die Bürgermeisterin winkte ab. Nun ist es soweit. Das Hotel Simon wird zusammen mit dem Gebäude daneben, in dem die Bäckerei Müller ihr Geschäft betreibt, zum Verkauf angeboten. "Eine Aufstockung um eine 4te Etage ist denkbar, ein Abriss mit entsprechenden Neubau nach § 34 BauGB ist ebenfalls möglich. Die Einheiten sind teilweise nur noch kurzfristig vermietet." Sontowski hat noch nicht einmal richtig zu bauen angefangen und schon können wir auf die nächste Baustelle beim Bahnhof warten.

Zum Angebot: Hotel Simon wird verkauft

Die SZ berichtet:

"Die Gesamtfläche des Grundstücks wird mit 1.800 Quadratmetern angegeben. Das ergibt einen Quadratmeterpreis von 5.000 Euro. Zum Vergleich: Das Grundschulgelände, auf dem nun ein Wohn- und Geschäftshaus mit Supermarkt, Drogerie und gut 50 Wohnungen entsteht, hatte die Gemeinde Gauting vor drei Jahren ebenfalls für etwa 9 Millionen Euro verkauft. Das waren allerdings etwa 4.500 Quadratmeter."

Die Verhandlungen des Maklers mit Interessenten seien schon soweit gediehen, dass er das Objekt nicht mehr weiter im Internet anbiete. Aber gleichzeitig meint der Makler: "Die nächsten Jahre bleibt erst mal alles beim Alten."

Vollständiger Artikel: Berzl, Michael: Nächster Immobiliendeal in Gauting, SZ v. 22.8.2019

Gautings künftige Entwicklung - Vorstellung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts - 24.7.2019

Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) ließ die Bürgermeisterin von der Stadtplanerin Frau Schreiber im Bosco vorstellen. Leider konnte man auf den gezeigten Bildern die Texte nicht lesen und die Graphiken nur mit Mühe erkennen. Auch ihren Hinweisen auf die Aushänge entlang der Wände konnte man aus der Entfernung nicht folgen. Es wurde eine Vorlesestunde. Frau Schreiber las zu fünf Handlungsfeldern jeweils einen langen Katalog an Möglichkeiten vor, denen die Gemeinde nachgehen könnte.

ISEK ist zwar eine abstrakte Ausarbeitung, aber ein langer Katalog macht noch kein Konzept aus. In einem Konzept, das sich „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept“ nennt, muss Richtung und Schwerpunkte künftiger Entwicklung erkennbar sein. Und wenn sich dieses Konzept auf die Ortsmitte beschränkt, so müssen große geplante Entwicklungen, die aus der Umgebung auf die Ortsmitte einwirken, berücksichtigt werden. Zu nennen wäre hier der Bau von Wohnungen und Supermarkt beim Bahnhof, von großen Gewerbegebieten sowie des Viertels samt Supermarkt beim AOA.

Frau Schreiber verwies darauf, daß sie 2015/2016 an diesem Konzept gearbeitet habe und seit drei Jahren auf das Verkehrskonzept warte. Frau Kössinger hatte 2014 „Gauting entfalten“ mit der Begründung, es gebe kein Verkehrskonzept, abgebrochen. Das ist jetzt fünf Jahre her. Das Konzept gibt es immer noch nicht, aber andere große Projekte wurden trotzdem gestartet.

Die Frage aus dem Publikum, ob aus Gauting eine 30.000-Einwohner-Gemeinde mit überörtlichem Einkaufszentrum und überörtlichem Gewerbestandort werden solle, blieb unbeantwortet. Für viele Anwesenden war die angedachte weitere Entwicklung Gautings nicht erkennbar. Angesichts der großen Projekte seit 2016 ist diese ISEK schon veraltet, bevor es im September vom Gemeinderat verabschiedet werden soll. Das Ganze war sehr unbefriedigend.

Oliver Meyer

Berichterstattung in den Zeitungen:

Cless-Wesle, Christine: Enttäuschtes Publikum. Städtebauliches Entwicklungskonzept in der Bürger-Kritik. Der große Wurf war es für die Mehrheit des Publikums bei der Präsentation nicht. Zu theoretisch; damit die Bahnhofstraße Aufenthaltsqualität erlange, müsse vor allem der Verkehr samt Lkw raus, forderte Arthur Mattejat.

Vollständiger Artikel: Cless-Wesle, Christine: Enttäuschtes Publikum, Starnberger Merkur v. 24.7.2019

Mamer, Blanche: Möglichkeiten der Entwicklung. Die vortragende Architektin Schreiber sieht in Bahnhofsgebäude und E-Werk am Hauptplatz markante, erhaltenswerte Gebäude. Sie rät zu einer maßvollen und schrittweisen Entwicklung. Die Gemeinderäte bräuchten Richtlinien, um den Investoren etwas entgegensetzen zu können, forderte ein Bürger. "Wir bekommen sonst eine Bauträger-Architektur", befürchtet die Architektin Susanne Köhler. Die meisten der 70 Interessierten waren enttäuscht. Sie hatten erwartet, ihre Meinung zu bestimmten konkreten Vorhaben äußern zu können. Die Unzufriedenheit wurde noch gesteigert durch technische Probleme mit dem Beamer, die Fragen und Einwände der Bürger waren durchweg kritisch.

Vollständiger Artikel: Mamer, Blanche: Möglichkeiten der Entwicklung, SZ v. 24.7.2019

Von wegen Märchenschlaf - Es sind Projekte aus Servatius Zeiten! - 6.7.2019

Der Ortsvorsitzende der Gautinger CSU, Stephan Ebner, äußert sich zu der geplanten Nominierung von Frau Dr. Kössinger als Bürgermeisterkandidatin: Kössinger habe „über die letzten Jahre Gauting aus dem zu lange anhaltenden Märchenschlaf geweckt“. Das ist nur insofern richtig, als dieser Schlaf wirklich ein Märchen ist – angesichts der Projekte, die in der Amtszeit von Bürgermeisterin Servatius verwirklicht wurden:

Neubau der Realschule (die die jetzige Bürgermeisterin per Bürgerbegehren verhindern wollte), Bau der Mensa am Gymnasium, Bau des barrierefreien Wohnens Schlossstraße, Gründung der „Gautinger Insel“, Gründung des Regionalwerkes, Erwerb des Bahnhofs, Erwerb des Wunderlgrundstückes, Umbau des Don-Bosco-Heims zum Kulturzentrum bosco, Unterstützung der Planung des Kinos, Bau der Umfahrung Unterbrunn, Neugestaltung des Hauptplatzes, Ansiedlung von Edeka Stockdorf, Penny und Lidl in Gauting etc. etc.

Herr Ebner wird bei den Projekten in der 2. Amtszeit von Frau Servatius doch sicher als Gemeinderat wach entschieden und bei einigen sogar zugestimmt haben. Lang, lang ist’s her ...

Leider kein Märchen sind jedoch die aktuellen Projekte seit der letzten Kommunalwahl:

fensterloser Klotz am Hauptplatz - maßlose, unintelligente und nicht auf Gauting bezogene 08/15-Architektur mit Negativfolgen für Verkehr und Ortsbild am Grundschulareal - überdimensionierte neue Gewerbegebiete in Bannwald und Landschaftsschutz - Vernichtung von innerörtlicher Gewerbefläche und überdimensionierte Bebauung am AOA-Gelände etc. etc.

Märchenstunden sind etwas Schönes – aber nicht in der Politik. Da nennt man sie Fake News. Beliebt sind sie genauso und man glaubt sie sogar.

Maja Zorn
Stockdorf

Felder und Wiesen zwischen Gauting und Buchendorf werden langsam zugebaut

Zwischen Gauting und Buchendorf, wo sich bis jetzt eine weite Landschaft mit Feldern, Wiesen, Pferdekoppeln und ein paar Bäumen dehnte, sind große Bauvorhaben vorgesehen.

Gauting Pferdestall SZ 2019-06-26 Foto Franz Xaver Fuchs
© Franz Xaver Fuchs

Schon im Februar letzten Jahres hat der Bauausschuss einstimmig dem Bau einer Maschinenhalle und eines Pferdestalles mit Reitplatz zugestimmt. Vom Landratsamt wurde dieser Bau ebenfalls genehmigt. Der Reitstall soll 520 m2 groß werden, die Maschinenhalle 419 m2, zusammen also rund 1000 m2. Ein 6 Meter breiter Weg soll zu diesem Objekt führen.

Die Anwohner fürchten, dass die "landwirtschaftlich einmalige kulturhistorische Rodungsinsel Buchendorf" zerstört werde und sich weitere Planungen anschließen. Die Befürchtungen bewahrheiten sich nun. Eine zweite Maschinenhalle soll gebaut werden. Der Gautinger Bauausschuss hat am 30. April auch diesem Vorhaben einstimmig zugestimmt. Jetzt fehlt nur noch die Genehmigung des Landratsamtes.

Anmerkung: Das ist der Anfang. Man kann davon ausgehen, dass in 20 Jahren die Wiesen und Äcker zwischen Gauting und Buchendorf verschwunden sein werden, zugebaut und versiegelt. - Eberhard Brucker

Vollständiger Artikel: Mamer, Blanche: Baugruben schrecken Anwohner auf. Landwirt aus Buchendorf plant Maschinenhalle und Paddockstall mit Reitplatz, Süddeutsche Zeitung v. 26.6.2019

Wird unsere Umgebung unter Glas, Beton und Asphalt verschwinden? - 6.5.2019

An Gilching sieht man, was Gauting bevorsteht. Gauting will zusätzlich 420.000 Quadratmeter Gewerbegebiet mitten in der Natur aus dem Boden stampfen. Man geht von zusätzlich bis zu 7.000 Beschäftigten aus. Wo sollen die herkommen? Wieviel Feld, Wald und Wiese wird dann anschließend noch für eine Wohnbebauung freigegeben? Wie viele Pendler wird es geben? Wie werden die Auswirkungen auf unser lokales Klima sein? Wer im Wald spazieren geht, spürt sofort, was verloren geht. Wie viele Millionen Euro müssen in die Infrastruktur der Gemeinde (Kitas, Schulen, Straßen ...) gesteckt werden?

Hier wollen Kommunalpolitiker in ein Flugzeug eingestiegen, ohne zu wissen, wo und wie sie landen können. Eines ist aber schon jetzt absehbar: Unsere schöne Umgebung würde unter Glas, Beton und Asphalt verschwinden.

Gilching hat 20.000 Bewohner und will zusätzlich bis zu 12.000 Beschäftigte anziehen. Nachdem wir in unserer Gegend keine Arbeitslosigkeit haben, können die 12.000 Beschäftigten letztlich nur aus den entfernteren Landkreisen kommen, auf dass dort noch mehr Lichter ausgehen und sich noch mehr Leerstand, Verfall und Verödung ausbreiten. Wir werden hier im Verkehr ersticken, denn Gilching liegt schon am Ende der Römerstraße. Starnberg hat sich 640.000 Quadratmeter mit zusätzlich rund 10.000 Beschäftigten vorgenommen. Die Vorhaben von Gauting und Starnberg machen zusammen einen Quadratkilometer Landschaft aus, der zugebaut werden soll. Nimmt man Gilching, Gauting und Starnberg zusammen, dann reden wir von zusätzlich bis zu 29.000 Beschäftigten in unserer Gegend. Die absehbaren Folgen für uns, die wir heute hier leben, werden von den Befürwortern in Gauting und Starnberg beharrlich verschwiegen.

Die Zerstörung unserer Umgebung wird zügig voranschreiten, wenn sich die Bürger nicht zur Wehr setzen! Bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr steht viel auf dem Spiel.

Oliver Meyer

Entscheidung zu Neubau und Verkehrskonzept an der Bahnhofstraße gefallen - 21.4.2018

Die Bürgerinitiative GautingAktiv hatte gegen die massive, großstädtische Bebauung des ehemaligen Schulgeländes an der Bahnhofstraße Front gemacht. Viele von uns hatten sich an ihr beteiligt. Die Entscheidung ist nun gefallen. Zwei Drittel der Abstimmenden im Gemeinderat haben sich für diese Bebauung entschieden. Sehr bedauerlich!

Mit wahrheitswidrigen Behauptungen der Bürgermeisterin, daß jahrelanger Stillstand und der finanzielle Notstand mit Streichungen der Zuschüsse für Vereine und Bosco drohe, gelang es unbegründete Ängste zu schüren. Das Ratsbegehren konnte sich im Verein mit einer tendenziösen Presse und den Finanzmitteln des Investors Sontowski durchsetzen. Eine vertane Chance, um im Gautinger Zentrum neben Wohnen und Einkaufen auch mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen und gleichzeitig eine Verkehrslösung zugunsten der Grundschüler und Lehrer zu verwirklichen.

Die nächsten Monate werden zeigen, daß die finanzielle Lage der Gemeinde nicht durch das Bürgerbegehren gegen dieses Projekt, sondern durch die vielen anderen millionenteuren Projekte gefährdet ist, die gleichzeitig umgesetzt werden sollen. Sie sind es, die die Finanzen der Gemeinde völlig überfordern. Frau Kössinger wird als die Bürgermeisterin der großen Ankündigungen in die Gemeindegeschichte eingehen.

Auch wenn die Bürgerinitiative GautingAktiv nicht die Mehrheit erlangen konnte, so hat sie doch eine rege und lebendige Diskussion in der Gemeinde über ihre eigene Zukunft ausgelöst. Und das ist schon viel wert. Wir selbst, die Gautinger SPD, haben uns mit großem Engagement daran beteiligt. Die Bürger sind wieder ins Gespräch gekommen. Es war eine gute Erfahrung für alle!

Die fehlende Diskussion im Gemeinderat wurde durch eine auf der Straße und im Bosco ersetzt. Und das Abstimmergebnis zeigt, daß die Interessen eines Drittels der Bürgerschaft nicht entsprechend im Gemeinderat vertreten werden. Dieser große Teil der Bevölkerung kann sich gegenwärtig nur auf die GRÜNEN stützen.

Die SPD-Verteter im Gemeinderat, Jürgen Sklarek auch als 2. Bürgermeister und Stephanie Pahl haben dafür gestimmt. Wenige Tage vor dem Bürgerentscheid hatten sie ihre Absicht in Presseerklärungen angekündigt gehabt, die von den Zeitungen auch veröffentlicht wurden. Nachdem die Mitgliedschaft des SPD-Ortsvereins zu über 90 % dagegen war, hat der Ortsvorstand ebenfalls eine Presseerklärung abgegeben, die aber weder von der Süddeutschen Zeitung noch vom Starnberger Merkur veröffentlicht wurde. Soweit zur Neutralität der Presse!

Eberhard Brucker
komm. Vorsitzender

Unangebrachte Drohungen, unbegründete Ängste! Bürgerbegehren, Haushalt, die Bürgermeisterin und die Tatsachen - 6.4.2018

Frau Dr. Kössinger und das Bürgerbegehren gegen einen massiven, großstädtischen Neubau an der Bahnhofstraße und seine Auswirkung auf den Haushalt. Sie behauptet:

Gewinnt das Bürgerbegehren, dann müsse die Gemeinde 9,5 Mio. für Kauf und 1 Mio. EURO für Abriss und Planung sofort zurückbezahlen. Es drohe die finanzielle Handlungsunfähigkeit der Gemeinde. (Starnberger Merkur v. 29.3.2018) Tatsächlich: Die Firma Sontowski ist bis zum 31.12.2019 an den Kaufvertrag gebunden, könnte also erst danach die Rückzahlung fordern.

Die Behauptungen:

Frau Dr. Kössinger droht den Bürgerinnen und Bürger nun schon seit Monaten mit Kürzungen der freiwilligen Leistungen für Vereine und Kulturarbeit, sollte das Bürgerbegehren gewinnen. Am Donnerstag letzte Woche ging sie sogar soweit, dass bereits der Haushalt 2018 mit Zins und Tilgung für einen Zwischenkredit belastet werden würde, um die Firma Sontowski auszuzahlen. Die Gemeinde würde finanziell handlungsunfähig werden.

Die Tatsachen:

Sollte Sontowski zurücktreten, was er erst ab dem 1.1.2020 tun könnte, müsste auch erst ab dann die Gemeinde einen Zwischenkredit aufnehmen, um ihn auszuzahlen. Und erst ab dann müssten Zinsen bezahlen werden. Bei einem Kredit von 10 Mio. Euro wären es 150.000 Euro im Jahre 2020. Bei einem Haushalt von fast 60 Mio. Euro ist das verkraftbar. Die Buchführung der Gemeinde wird nach den Grundsätzen der Kameralistik geführt, d.h. es geht um Einnahmen und Ausgaben. Da diese Zinsen erst Ausgaben im Jahre 2020 wären, dürften sie auch erst im Jahre 2020 berücksichtigt werden und nicht schon 2018. Frau Dr. Kössinger hat eine Kämmerin, die sich auskennen müsste, und trotzdem verbreitet sie solche Geschichten.

Ein solcher Zwischenkredit wäre mit dem Grundstück (das im Wert weiter steigt) abgesichert und würde sofort wieder getilgt werden, wenn das Grundstück an den nächsten Investor verkauft wäre. Nachdem sich viele Investoren an dem letzten Wettbewerb beteiligt hatten, würden man auch ohne Schwierigkeiten einen anderen finden. Alles im Rahmen einer sehr überschaubaren Zeitspanne, unterstellt, Sontowski würde sich überhaupt zurückziehen wollen, was mehr als zweifelhaft ist, nachdem sein Kaufvertrag mit der Gemeinde Änderungen an seiner Bauplanung ausdrücklich zulässt. (Eine Verknüpfung von Verkauf und Baurecht im Kaufvertrag wäre auch rechtswidrig gewesen. Die Gemeinde ist deswegen immer noch frei in ihren Entscheidungen.)

Die sich anbahnende Finanzklemme der Gemeinde hat nichts mit dem Bürgerbegehren zu tun, sondern ist den vielen, millionenteuren Projekten geschuldet, die man gleichzeitig verwirklichen will und dabei die Finanzkraft der Gemeinde völlig überfordern. Es geht um den Umbau der Kreuzung am Kriegerdenkmal, Bau von Parkdecks auf dem S-Bahnfahrerparkplatz, Bau eines Busbahnhofes, Umbau Bahnhofplatz, Umbau Schwimmbad, neue Turnhalle, Ausbau Ammerseestraße, Erschließung von 79 Hektar neuer Gewerbegebiete. Aus unserem privaten Leben wissen wir alle, dass man nicht alles auf einmal machen kann. Manches geht eben nur nacheinander.

Gewinnt das Bürgerbegehren, dann darf die vorliegende Bauplanung von Sontowski zwar nicht weiterverfolgt, jedoch substanziell überarbeitet werden. Wenn Gemeinde und Sontowski auch die Kritiker einbeziehen, dann wäre bei gutem Willen aller eine Kompromisslösung möglich. Es geht dabei nicht nur um eine ortsverträgliche Gestaltung des Gebäudes, sondern auch um eine vernünftige Verkehrslösung am Kriegerdenkmal.

Vorgesehen ist eine Doppelkreuzung mit einer Zufahrtstraße direkt neben der Schule zu den Parkplätzen des Neubaues und des P+R-Platzes, auf der jeden Tag 2.000 Autos vorbeifahren werden. Die Grundschule wäre dabei von drei Parkplätzen, zwei davon stark frequentiert, umringt. Die Abgasbelastung für die kleinen Kinder kann man sich unschwer vorstellen. Aus medizinische Untersuchungen weiß man inzwischen, dass die Autoabgase einer der Hauptursache für die häufigen asthmatischen und allergischen Erkrankungen der Kinder ist. 10% aller Kinder sind mittlerweile schon betroffen.

Die dringend notwendige Überarbeitung der Planung kann sogleich nach dem 15. April beginnen und dürfte nach aller Erfahrung nur wenige Monate in Anspruch nehmen. Kein Investor lässt sich ein solches Filetgrundstück in einer so großen Gemeinde entgehen.

Frau Dr. Kössingers Behauptungen sind also falsch und die angeblich dadurch erzwungenen Kürzungen bei den Vereinen nur eine unangebrachte Drohung, um unbegründete Ängste auszulösen. Die sich zuspitzende Haushaltslage ab 2019 hat mit dem Bürgerbegehren NICHTS zu tun. Sie ist der Maßlosigkeit der vielen Großprojekte geschuldet. Es ist deswegen genügend Zeit, um die vorliegende großstädtische Planung an Gauting anzupassen und dabei eine vernünftige Verkehrslösung, die nicht zulasten der Kinder geht, zu integrieren.

Der Neubau wird 100 Jahre stehen. Die Bürgermeisterin hat die Arbeiten von GAUTING ENTFALTEN 2014 abgebrochen und wieder ganz von vorne angefangen. Hätte sie damals einfach am bevorzugten Entwurf, an dem viele Bürgerinnen und Bürger mitgearbeitet hatten, weitergemacht, könnten wir heute schon alle an der Bahnhofstraße einkaufen und zusätzliche Wohnungen gäbe es auch schon. Jetzt kommt es auf ein paar Monate auch nicht mehr darauf an. Es lohnt sich!

Eberhard Brucker

Zweierlei Maß - Welches Gauting will Kössinger? - 9.8.2017

Es ist schon ganz erstaunlich, mit welcher Ausdauer Frau Dr. Kössinger die Amtsführung ihrer Vorgängerin kritisiert. Diesmal ging es wieder einmal um die Gewerbesteuereinnahmen, um die sich Frau Servatius zu wenig gekümmert hätte. Dass in der Amtsführung von Frau Servatius neben den großen Schulbauten auch der Neubau der Würmbrücke und vieles andere mehr stattfand, blendet Frau Dr. Kössinger völlig aus. Ebenso, dass sie nun Früchte erntet, die ihre Vorgängerin gesät hat, beispielsweise mit dem Ankauf der Wunderl-Flächen. Die Verwaltung der Gemeinde kann schlechterdings nicht alles auf einmal planen und ausführen, was auch Frau Dr. Kössinger in ihrer Halbzeitbilanz in der SZ wieder einmal selber feststellte: Sie würde noch viel mehr machen, aber leider käme die Verwaltung mit der Arbeit nicht nach. Diese Beschränkung nimmt Frau Dr. Kössinger für sich selber in Anspruch, billigt sie aber ihrer Amtsvorgängerin nicht zu.

Frau Dr. Kössinger setzt nun die freigewordenen Arbeitskapazitäten für die Bauprojekte ein, was sehr zu begrüßen ist. Nur langsam fragt man sich, was für ein Gauting strebt sie an? Neben der anhaltenden Verdichtung in den Wohnquartieren sehen wir jetzt die großstädtischen Bauten an der Würm, wie auch den nochmals vergrößerten Neubau auf dem ehemaligen Schulgelände.

Und es geht um neue, 30 Hektar große Gewerbegebiete. Die Menschen, die dort arbeiten sollen, werden in der Umgebung wohnen wollen. Städteplaner gehen davon aus, dass auf 225 qm 1 Beschäftigter kommt. D.h. es geht um etwa 1.300 Beschäftigte. Viele werden verheiratet sein und Kinder haben. Das heißt wiederum, dass es wenigstens 2.000 bis 3.000 Menschen sein werden, die dann zusätzlich in Gauting und Umgebung wohnen werden. Das führt zu einem Bedarf von bestimmt 1.000 zusätzlichen Wohnungen und entsprechenden Schul- und Kindergartenplätzen. Dabei kann das angestrebte Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz später noch um einige zehn Hektar vergrößert werden.

Statt große Flächen aus dem Wasser- und Landschaftsschutz herauszunehmen, hätte die CSU z.B. das AOA-Gelände als Gewerbefläche erhalten können. Es wird sich eine Dynamik entwickeln, die man nicht aufhalten kann, siehe Krailling, wo jetzt der Bannwald angegriffen wird. Wo sollen diese 1.000 Wohnungen gebaut werden? Was hat das für Auswirkungen auf den Verkehr, der heute in den Stoßzeiten schon zu Staus vom Pippinplatz bis zur Abzweigung Pasinger / Münchner Straße führt? Wie stark wird die weitere Verdichtung die heute schon hohen Grundstückspreise und Mieten noch zusätzlich in die Höhe treiben?

Man erhofft sich große Gewerbesteuereinnahmen, denen aber ganz erhebliche Kosten für die Gemeinde gegenüberstehen werden. Frau Dr. Kössinger müsste einmal versuchen, sich vorzustellen, was ihre Pläne in 20 Jahren aus Gauting machen werden. Die CSU will offensichtlich die Verstädterung Gautings. Nur, die dabei entstehenden großen Probleme bei der Infrastruktur sind absehbar und z.B. in punkto Verkehr aufgrund Gautings Lage an der Würm und auf der Höhe nicht lösbar. Soll unsere Gegend einmal genauso zersiedelt aussehen wie der Münchner Norden?

Eine Gemeinde, die sich für die „Tafel“ einen Neubau für mehr als 600.0000 Euro leisten und nebenbei der Kreissparkasse ein Gebäude samt Umbauten für 3,2 Mio. Euro abkaufen kann, ist nicht arm! Was nützt es also Gauting, wenn es seine umgebende Natur zerstört und im Verkehr erstickt? Man sollte bei allem nicht aus dem Auge verlieren: Gauting ist nicht arm, Gauting geht es bislang gut – auch wegen der Vorarbeit ihrer Vorgängerin.

Eberhard Brucker